Theaterlandschaften

Theater am Turm Frankfurt

1953 wurde das Theater am Turm als Landesbühne Rhein-Main gegründet. Während der Studentenunruhen in den sechziger Jahren war diese Aufbruchstimmung auch im Theater zu spüren. Die konventionellen Modelle wurden verworfen und neue experimentelle Wege gesucht.
   
So kam es bei der Uraufführung von Peter Handkes "Publikumsbeschimpfung" durch den damaligen Oberspielleiter Claus Peymann 1966 zu tumultartigen Ausschreitungen. Zuschauer, die von Schauspielern verbal attackiert wurden, machten ihren Unmut lautstark kund und kletterten auf die Bühne, wo es auch zu Handgreiflichkeiten kam. Auch in der Leistungsstruktur wurden neue Modelle ausprobiert, so hielt Anfang der siebziger Jahre zum ersten Mal ein Mitbestimmungskonzept Einzug ins Theater. Doch auch hier griff die Politik ein. Ein Untersuchungsausschuss ging der Frage nach, ob marxistische Kader im TAT ausgebildet würden. 1974/75 leitete Reiner Maria Fassbinder für ein Jahr das TAT, scheiterte aber an finanziellen und künstlerischen Querelen. Der Streit um sein Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod" brachte ihm den Vorwurf des Antisemitismus ein. 1978 sollte das TAT zum ersten Mal geschlossen werden und das "sozialistische Polit-Ensemble" eine Abfindung bekommen.

Doch 1980 kam es zum Neuanfang und ab 1985 - unter Leitung Tom Strombergs - wurde das TAT zur Spielstätte für freie experimentelle Theatergruppen und internationale Gastspiele. 1999 übernahmen der Choreograf William Forsythe als Intendant und Tom Kühnel und Robert Schuster als Schauspielregisseure die Geschicke des TAT.

Das TAT Frankfurt wurde auf Beschluss der Frankfurter Stadtkämmerer 2004 endgültig geschlossen, die Schauspielsparte wurde bereits zum Jahreswechsel 2003 eingestellt. Damit wird ein Haus aufgegeben, das nicht nur für aufsehenerregende und wegweisende Theaterereignisse sorgte, sondern auch Bühne für die internationale Theater-Avantgarde war. Allerdings bleibt die Spielstätte des TAT, das Bockenheimer Depot, den Städtischen Bühnen Frankfurt erhalten und wird für Ballette und neue Projekte genutzt.

Länge 1 x 30'
Jahr 2003
Genre Dokumentation
Format Digital Betacam
Regie Clarissa Ruge
Sender ZDFtheaterkanal / 3sat / ZDFdokukanal / arte