Theaterlandschaften

Nationaltheater Weimar

Die Geschichte des Nationaltheaters Weimar liest sich wie ein Spiegel deutscher Geschichte. Nach seiner Gründung 1791 als Weimarer Hoftheater durch Herzog Carl August, bemühte sich der erste Leiter Johann Wolfgang von Goethe darum, dem Publikum in fast 300 Aufführungen pro Jahr eine umfassende Theaterkultur zu bieten.

Von 1799 bis 1805 wirkten Goethe und Schiller gemeinsam an der Weimarer Bühne.
Goethe ermöglichte es Autoren, auf die Inszenierungen ihrer Werke entscheidenden Einfluss zu nehmen und er sorgte dafür, dass der ehemals anrüchige Ruf der Schauspielkunst einer hohen Wertschätzung und gesellschaftlicher Anerkennung der Schauspieler wich. Neben dem Schauspiel förderte Goethe auch das Musiktheater. Weimar wurde im Laufe der Zeit Wirkungsstätte von Hummel, Liszt, Wagner, Berlioz und Richard Strauß. 1919 tagte die Deutsche Nationalversammlung im Theatergebäude und verabschiedete am 31. Juli die republikanische Reichsverfassung. Das Theater wurde in "Deutsches Nationaltheater Weimar" umbenannt. Für Republikanhänger und -gegner wurde das Theater zu einer Schaubühne politischer Selbstinszenierungen.

Ab 1924 veranstaltete die Nationalsozialisten hier ihre Parteiversammlungen, zwei Jahre später wurde im Theater der erste Reichsparteitag der NSDAP nach Aufhebung ihres Verbots abgehalten. In der Zeit der NS-Herrschaft kam hauptsächlich klassisches Repertoire zur Aufführung. Das Ensemble spielte zur Unterhaltung der SS-Leute im Casino im KZ-Buchenwald. 1945 zerstörte ein Bombenangriff das Gebäude, es wurde als erstes deutsches Theater nach dem Krieg wiederaufgebaut und 1948 mit "Faust I" neu eröffnet.
Zu DDR-Zeiten erlangte das Weimarer Musiktheater mit der Weimarischen Staatskapelle einen weit über die Stadt hinausreichenden Ruf.

Mit der Spielzeit 2000/2001 übernahm der Schweizer Stephan Märki die Generalintendanz des Deutschen Nationaltheaters. Seit Beginn seiner Amtszeit kämpft er unterstützt von den Bürgern Weimars und Politikern wie Antje Vollmer und Richard von Weizsäcker gegen Pläne der Landesregierung Thüringen, das Theater in Weimar mit dem der nahen Landeshauptstadt Erfurt zu fusionieren. Im Sommer 2002 war das Nationaltheater erneut Schauplatz der Politik: Russlands Präsident Wladimir Putin traf sich dort mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Länge 1 x 30'
Jahr 2002
Genre Dokumentation
Format Digital Betacam
Regie Christian Frey
Sender ZDFtheaterkanal / 3sat / ZDFdokukanal
Link Nationaltheater Weimar