Theaterlandschaften

Deutsches Theater Göttingen

Göttingen – eine Stadt im Geiste der Wissenschaft. Seit Jahrhunderten zerbricht man sich an der geschichtsträchtigen Universität über neue Theorien den Kopf. 44 Nobelpreisträger kommen aus Göttingen, jeder Dritte studiert oder arbeitet an der Universität. Ein anspruchsvolles Publikum – aber davon lässt man sich am Deutschen Theater Göttingen nicht einschüchtern. 

1890 wird in Göttingen ein  imposanter Theatertempel eingeweiht, um das Theater endlich mit der Universität auf Augenhöhe zu bringen. Doch wer glaubt Wissenschaft und Kultur wären unvereinbare Gegensätze, der irrt. Tatsächlich entwickelt sich rasch ein reger Austausch: Junge Studenten probieren sich im Schauspiel, Musik- und Theaterwissenschaftler finden eine Bühne zur Umsetzung ihrer wissenschaftlichen Entdeckungen. So wie der Wissenschaftler Oskar Hagen, der Anfang des 20. Jahrhunderts Händel-Opern wiederentdeckte und auf diese Weise die bis heute populären Göttinger Händel Festspiele begründete. 

Nach Ende des zweiten Weltkrieges war der ein oder andere Göttinger Theaterbesucher bestimmt überrascht, als er vor der Vorstellung statt des üblichen Bühnengemurmels ein schallendes „God save the Queen“ vernahm - die englischen Besatzer hatten angeordnet vor jeder Vorstellung die britische Nationalhymne zu spielen. Eine Hymne ganz anderer Art bekamen die Göttinger 20 Jahre später geschenkt, als die französische Chansonsängerin Barbara mit unverwechselbarem Akzent die Stadt  in einem Lied verewigte.

1950 bezog Hans Hilpert seinen Intendantenposten und gab dem Haus seinen heutigen Namen. Für die Förderung eines jungen Schauspieltalentes werden ihm wohl nicht nur die Göttinger auf lange Zeit dankbar sein. Götz George erinnert sich noch heute mit viel Freude an seine ersten Schritte auf dem Göttinger Theaterparkett und die familiäre Atmosphäre, die damals in Hilperts Ensemble herrschte.

Hilperts Nachfolger Günther Fleckenstein kritisiert 1968 mit der Uraufführung von Rolf Hochhuths „Juristen“ offen die personelle Kontinuität, die nach dem zweiten Weltkrieg vielerorts herrschte. Das Stück bringt ihm internationale Aufmerksamkeit und er darf als erster deutscher Intendant das Stück am Moskauer Künstlertheater auf die Bühne bringen.

Der jetzige Intendant Mark Zurmühle, sucht wie viele seiner Vorgänger wieder den Austausch mit der Universität und fördert vor allem junge Talente. Ob er wie einst damals Heinz Hilperts wohl auch auf so ein Ausnahmetalent wie Götz George stoßen wird?

Erstausstrahlung: 1. Juni 2010, 19:00 Uhr, ZDFtheaterkanal.

Weitere Ausstrahlungstermine im ZDFtheaterkanal:

04.06.2010    19:00 Uhr    
09.06.2010    19:00 Uhr   
13.06.2010    19:00 Uhr   
18.06.2010    19:00 Uhr   
21.06.2010    19:00 Uhr      
23.06.2010    19:00 Uhr   
26.06.2010    19:00 Uhr

Länge 1 x 30'
Jahr 2010
Genre Dokumentation
Format Digital Betacam
Regie Katharina Wenzel
Sender ZDFtheaterkanal / 3sat / ZDFdokukanal
Link Deutsches Theater Göttingen