Deutschlands große Clans - Die Volkswagen-Story

Die Zahlen sprechen für sich: Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland ist direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängig; ohne sie wäre unsere Volkswirtschaft eine andere. Vollbeschäftigung, nur zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, wäre ohne den Aufschwung dieser Branche kaum vorstellbar gewesen. Und der Volkswagen-Konzern bildet das Zentrum dieser Schlüsselindustrie, noch heute: Rund 600.000 Mitarbeiter, 200 Milliarden Euro Umsatz und 120 Fabriken. VW ist der größte Automobilhersteller der Welt.

Das VW-Emblem gilt seither als Sinnbild für den Wirtschaftsstandort Deutschland, als Gütesigel für Qualität "Made in Germany". Das wird nun durch den Abgasskandal angefochten. So rücken auch die Familien in den Fokus, die seit Jahrzehnten über den Kurs des Unternehmens bestimmen, die Porsches und die Piëchs. Stets war die Frage, wer bei der Kernmarke der deutschen Automobilindustrie das Sagen hat, ein Thema von nationalem Rang. VW ist auch eine Art Spiegelbild der deutschen Geschichte seit dem vergangenen Jahrhundert.

Mit der Erfindung des VW-Käfers schuf Familienpatriarch Ferdinand Porsche in den 1930er-Jahren das Fundament für den späteren Weltkonzern. Er verstrickte sich dabei in die Machenschaften des NS-Regimes. Seine Nähe zu Hitler, der massenhafte Einsatz von Zwangsarbeitern in der Rüstungsproduktion des Konzerns hatten Folgen: fast zwei Jahre Haft unter der französischen Besatzungsmacht. 1951 starb Ferdinand Porsche. Sohn Ferry (1909-1998) und Tochter Louise (1904-1999), verheiratete Piëch, folgten ihm im Unternehmen nach, später die Porsche-Enkel Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch. Bis heute verfügen die Nachfahren des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche über erhebliche Entscheidungsmacht im VW-Konzern.

Die Rivalität zwischen den "Namensträgern", den Kindern des Porsche-Sohnes Ferry, und den "Nicht-Namensträgern", den Kindern der Porsche-Tochter Louise Piëch, zieht sich wie ein roter Faden durch die Historie des Unternehmens. Dabei werden alle Register gezogen.

Ehebruch, Verrat, Intrigen – immer wieder geht es um Geld, Macht und Eitelkeiten. 1970 sollte ein Psychologe die zerstrittene Verwandtschaft versöhnen, vergeblich. Schließlich führte Wolfgang Porsche das gleichnamige Stuttgarter Sportwagenunternehmen, Ferdinand Piëch leitete Volkswagen. Über den Umweg Audi war er an die Spitze des Konzerns gelangt. Piëch machte aus der etwas angestaubten Marke in den 80er Jahren einen "Motor" des VW-Imperiums. Aus der Rivalität erwuchs später die größte Übernahmeschlacht, die jemals auf dem deutschen Aktienmarkt tobte. Die beiden Konzerne versuchten sich gegenseitig zu schlucken. Die Porsches verloren die Machtprobe 2009.

Piëch triumphierte – doch nur auf Zeit. Als Gerüchte aufkamen, er versuche seine Ehefrau Ursula zur Nachfolgerin an der Spitze von Volkswagen zu machen, setzte er seine Hausmacht im Unternehmen aufs Spiel. Cousin Wolfgang, der im Aufsichtsrat sitzt, durchkreuzte den vermuteten Plan. Der Kontrahent wurde Schritt für Schritt entmachtet.

2015 wurde zum Schicksalsjahr des Automobil-Giganten. Im September geriet VW unter Beschuss, weil der Konzern systematisch Emissionswerte von Dieselmotoren gefälscht haben soll. Welche Folgen wird der Skandal für das Unternehmen, die ganze Branche und für den Standort Deutschland haben? Die Autoren Manfred Oldenburg und Annebeth Jacobsen suchen nach Antworten, werfen einen Blick zurück auf 140 Jahre Familien- und Firmengeschichte und sprechen hierzu mit den Clanmitgliedern Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch.

Erstausstrahlung: Dienstag, den 17. Oktober 2017, 20:15 Uhr im ZDF.

Länge 1 x 45'
Jahr 2017
Genre Dokumentation
Format 16:9 HDTV
Regie Manfred Oldenburg, Annebeth Jacobsen
Sender ZDF